Archiv für August 2008

Bevor wir fallen, fallen wir lieber auf

oder: infantiles Auffallen durch intellektuelles Umfallen. Tee, den ich sonst nicht sonderlich schätze, machte unlängst auf diesen ehrlichen und ehrlich ernst gemeinten Antifa-“Aufruf“ aufmerksam:

Und wenn wir schon nicht die Lösung sind … dann sind wir das wenigstens laut.

Reudnitz ist Bernau, scherzen gestandene Blogsportkollegen.

Moment mal, Grigat

Du schreibst über die Kritiker der „Antideutschen“, sie gingen „an keiner Stelle auf die Textproduktion der antideutschen Ideologiekritik ein“:

Entweder kommen sie (…) völlig ohne Literaturhinweise aus (sic!), oder sie beziehen sich auf einzelne Sätze in Flugblättern und Veranstaltungsankündigungen, ignorieren aber die programmatischen Texte, die sich in mehreren Buchpublikationen und rund 15 Jahrgängen von Zeitschriften finden. Die Autoren würden sich auch schwer tun, Belege für ihre wortgewaltigen und mitunter wüsten Anschuldigungen zu finden (…)

Vor diesem Hintergrund ist im Selbstverständ­nis der antideutschen Ideologiekritik die Parteinahme für Israel, die nicht davon zu abstrahieren braucht, dass staatliche Verteidigungsmaßnahmen auch zu grauenhaften Übergriffen führen können und dass staatliches Handeln in Israel keineswegs auf den Zweck der Ver­hinderung der Vernichtung beschränkt ist (…)

Der Vorwurf des Philosemitismus und Philozionismus an die Antideutschen ist jedenfalls an den Texten der antideutschen Kritik nicht auszuweisen.

Dazu bieten solche Texte schließlich auch keinen, wirklich überhaupt keinen Anlass:

Die Staatsgründung Israels hat für viele Palästinenser Leid, beispielsweise das der Vertreibung, bedeutet. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Dieses Leid ist das notwendig kleinere Übel. Es kommt zwar darauf an, dieses Leid so gering wie möglich zu halten. Aber damit Israel seine Funktion erfüllen kann, die Juden weltweit zu schützen, darf es keinesfalls ein binationaler oder multikultureller Staat werden. Es muss summa summarum ein Staat mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit bleiben.

*keine weiteren Literaturhinweise*

Die Wohngemeinschaft…

(Nur ein Gedicht:)

„…ist nirgends auch nur annähernd so verbreitet wie in Deutschland, und niemand ist über diesen Sachverhalt gestolpert oder hat nach Gründen gefragt Und solcher Mangel an Misstrauen und Skepsis in einem Land, welches eingedenk seiner Geschichte wie kein anderes Gründe zum Selbstzweifel hätte, gibt zu denken.“

„Während es im öffentlichen Dienst genügt, nicht als DKP-Mitglied aufgefallen zu sein, stellt die Wohngemeinschaft weit höhere Anforderungen nicht nur an die Gesinnungstreue des Bewerbers, sondern auch an sein Geschlecht, seine Lebensgewohnheiten, seine Feelings, Vibrations, Kleidung, Auftreten, Erscheinung, Umgangsformen etc. Wer dringend gerade ein Zimmer braucht, hat dann keine andere Wahl, als sich unterzuordnen, sich einzufügen, sich anzupassen. Zwar ist dieser Zwang bekannt, aber er wird in der Regel als Auswuchs, als Randerscheinung betrachtet. In Wahrheit ist er das Wesen der Sache. Wohngemeinschaft heißt: Nicht als einzelnes bedürftiges Individuum, sondern nur als Mitglied der Gemeinschaft hat man Anspruch auf Wohnraum. Durch ihre Verbindung mit dem Wohnen ist Gemeinschaft nicht mehr die freie und freiwillige Vereinigung, die sie prätendiert, sondern eine Zwangskörperschaft wie die Volksgemeinschaft. (…)

In freiheitsliebenden Ländern hat sich die Wohngemeinschaft deshalb nicht durchsetzen können. Dort achtet man den Unterschied zwischen den lebensnotwendigen Dingen und solchen, bei denen die freie Entscheidung die Hauptrolle spielt. Eine Wohnung braucht jeder, eine Gemeinschaft nicht.“

Wolfgang Pohrt: Eine Zukunft für die Vergangenheit, in: Endstation. Über die Wiedergeburt der Nation, Pamphlete und Essays, Rotbuch Verlag, Berlin (West) 1982: 59 u. Fn. 2, S. 67f.