Die Wohngemeinschaft…

(Nur ein Gedicht:)

„…ist nirgends auch nur annähernd so verbreitet wie in Deutschland, und niemand ist über diesen Sachverhalt gestolpert oder hat nach Gründen gefragt Und solcher Mangel an Misstrauen und Skepsis in einem Land, welches eingedenk seiner Geschichte wie kein anderes Gründe zum Selbstzweifel hätte, gibt zu denken.“

„Während es im öffentlichen Dienst genügt, nicht als DKP-Mitglied aufgefallen zu sein, stellt die Wohngemeinschaft weit höhere Anforderungen nicht nur an die Gesinnungstreue des Bewerbers, sondern auch an sein Geschlecht, seine Lebensgewohnheiten, seine Feelings, Vibrations, Kleidung, Auftreten, Erscheinung, Umgangsformen etc. Wer dringend gerade ein Zimmer braucht, hat dann keine andere Wahl, als sich unterzuordnen, sich einzufügen, sich anzupassen. Zwar ist dieser Zwang bekannt, aber er wird in der Regel als Auswuchs, als Randerscheinung betrachtet. In Wahrheit ist er das Wesen der Sache. Wohngemeinschaft heißt: Nicht als einzelnes bedürftiges Individuum, sondern nur als Mitglied der Gemeinschaft hat man Anspruch auf Wohnraum. Durch ihre Verbindung mit dem Wohnen ist Gemeinschaft nicht mehr die freie und freiwillige Vereinigung, die sie prätendiert, sondern eine Zwangskörperschaft wie die Volksgemeinschaft. (…)

In freiheitsliebenden Ländern hat sich die Wohngemeinschaft deshalb nicht durchsetzen können. Dort achtet man den Unterschied zwischen den lebensnotwendigen Dingen und solchen, bei denen die freie Entscheidung die Hauptrolle spielt. Eine Wohnung braucht jeder, eine Gemeinschaft nicht.“

Wolfgang Pohrt: Eine Zukunft für die Vergangenheit, in: Endstation. Über die Wiedergeburt der Nation, Pamphlete und Essays, Rotbuch Verlag, Berlin (West) 1982: 59 u. Fn. 2, S. 67f.


6 Antworten auf “Die Wohngemeinschaft…”


  1. 1 bla 07. August 2008 um 15:56 Uhr

    Wahr. Kann ich gut bestätigen nach einiger Zeit „privates“ Wohnheim, in dem es zu jedem Semesteranfang „Einstellungstribunale“ gab.

  2. 2 schatten kontrastieren 07. August 2008 um 17:42 Uhr

    so… und jetzt husch, husch zurück in eure Wohngemeinschaften.

  3. 3 xXaftershowXx 07. August 2008 um 17:47 Uhr

    “Einstellungstribunale” Klingt gut. Sollte ich in meiner Bude auch einführen. *Hände reib*

  4. 4 Entdinglichung 07. August 2008 um 19:36 Uhr

    vielleicht war Pohrtchen auch nur darüber erbost, dass er aus dem Grunde weil er nie das Klo geputzt hatte etc., aus seiner WG rausgeflogen ist?

  5. 5 schatten kontrastieren 08. August 2008 um 17:51 Uhr

    Vielleicht wußte er auch nicht, dass er sich auch eine eigene Wohnung hätte anmieten können.

  6. 6 Stromsau 15. August 2008 um 10:23 Uhr

    Die behauptete Absenz von Wohneinheiten mit gemeinsamer Nutzung von Bad und Küche oder richtiggehenden WGs in „freiheitsliebenden Ländern“ (ich nehme mal an: USA) ist in der Form einfach nicht wahr. Das gibt es dort auch und ist dort wie hier entweder Ausdruck knappen Geldes oder eines Lebensgefühls.

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