Moment mal, Grigat

Du schreibst über die Kritiker der „Antideutschen“, sie gingen „an keiner Stelle auf die Textproduktion der antideutschen Ideologiekritik ein“:

Entweder kommen sie (…) völlig ohne Literaturhinweise aus (sic!), oder sie beziehen sich auf einzelne Sätze in Flugblättern und Veranstaltungsankündigungen, ignorieren aber die programmatischen Texte, die sich in mehreren Buchpublikationen und rund 15 Jahrgängen von Zeitschriften finden. Die Autoren würden sich auch schwer tun, Belege für ihre wortgewaltigen und mitunter wüsten Anschuldigungen zu finden (…)

Vor diesem Hintergrund ist im Selbstverständ­nis der antideutschen Ideologiekritik die Parteinahme für Israel, die nicht davon zu abstrahieren braucht, dass staatliche Verteidigungsmaßnahmen auch zu grauenhaften Übergriffen führen können und dass staatliches Handeln in Israel keineswegs auf den Zweck der Ver­hinderung der Vernichtung beschränkt ist (…)

Der Vorwurf des Philosemitismus und Philozionismus an die Antideutschen ist jedenfalls an den Texten der antideutschen Kritik nicht auszuweisen.

Dazu bieten solche Texte schließlich auch keinen, wirklich überhaupt keinen Anlass:

Die Staatsgründung Israels hat für viele Palästinenser Leid, beispielsweise das der Vertreibung, bedeutet. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Dieses Leid ist das notwendig kleinere Übel. Es kommt zwar darauf an, dieses Leid so gering wie möglich zu halten. Aber damit Israel seine Funktion erfüllen kann, die Juden weltweit zu schützen, darf es keinesfalls ein binationaler oder multikultureller Staat werden. Es muss summa summarum ein Staat mit einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit bleiben.

*keine weiteren Literaturhinweise*


5 Antworten auf “Moment mal, Grigat”


  1. 1 tee 14. August 2008 um 21:44 Uhr

    gutes beispiel für kaum wegzulügende tatsachen.

  2. 2 Stromsau 15. August 2008 um 10:18 Uhr

    Dass ein Übel notwendig sei und dann auch noch kleiner als andere, ist keine Tatsache, sondern mehr eine dreiste und unbelegte Behauptung.

    Zudem möchte ich den Juden außerhalb Israels sehen, zu dessen Schutz diese Sorte „kleineres Übel“ irgendwas beiträgt.

  3. 3 Preismeier 15. August 2008 um 13:59 Uhr

    Die zwangsläufige Konsequenz aus Grigats Hinweis ist dann ja auch klar: der Streit der Antideutschen darüber, was denn nun zu den „programmatischen Texten“ zählt. Und weil die Repräsentanten dieser Szene ja sehr viel Wert darauf legen, dass es „die Antideutschen“ gar nicht gibt, ist eines für die Zukunft wohl garantiert: Langweilig wird es nicht!

    Und so manche Buch/Zeitschriften-Veröffentlichung und Veranstaltung zur Klärung dieser überaus spannenden Frage wird wohl auch dabei abfallen …

    Man fühlt sich fast ein wenig an alte Trotzkisten-Scherze erinnert: „Wo zwei in seinem Namen versammelt sind, da ist der Spaltpilz mitten unter ihnen“. :-)

  4. 4 chef von allem 15. August 2008 um 15:36 Uhr

    Richtig, der Gießler wird zur Not aus der antideutschen Teilszene exkommuniziert… falls er das, durch eigene Distanzierung, nicht schon selbst besorgt hat. Die Klärung der Szenekonfession will mir allerdings nicht so wichtig erscheinen: Das Gerede vom kleineren Übel, historischer Notwendigkeit, unbedingter Parteinahme etc. haben weder die Antideutschen erfunden, noch wäre es (das Abziehbild Israel weggedacht) nur ihnen eigen.

  5. 5 Preismeier 15. August 2008 um 16:22 Uhr

    Nein, sonderlich wichtig ist dieses Gezänk in der Tat nicht. Es hat eher was von absurdem Theater. Deshalb auch die Reminiszenz an eine andere, ähnlich skurrile Abteilung aus dem linken Kuriositäten-Kabinett. Der Streit der ML-Vereine unseligen Angedenkens war übrigens keinen Deut weniger abstrus.

    Lautete die Gretchenfrage früher (bei den Revis) „Wie hältst du es mit der SU bzw. China/Albanien?“, dreht sich heute (bei den ADs) halt alles um Israel. Bescheuert ist das allemal.

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